Saatgut selbst gewinnen – nachhaltig und kostenlos

Es ist einer der befriedigendsten Momente im Kleingarten: Eine Pflanze, die du im März aus einer Tüte Samen gezogen hast, trägt im August vollreife Früchte. Und in diesen Früchten steckt das Saatgut für nächstes Jahr. Gratis, angepasst an deinen Boden, und mit einem ganz eigenen Gefühl von Kontinuität.

Saatgut selbst zu gewinnen ist kein Hexenwerk. Du musst nur ein paar Grundsätze kennen.

Nicht alle Sorten eignen sich

Das ist die wichtigste Information vorab: Selbst gewonnenes Saatgut funktioniert nur bei samenfesten Sorten. Das sind Sorten, die über viele Generationen stabil weitergegeben wurden und deren Kinder den Eltern gleichen.

Bei F1-Hybriden – erkennbar am Aufdruck „F1” auf der Saattüte – ist Nachbau nicht sinnvoll. Die Nachkommen zeigen unvorhersehbare Eigenschaften, weil diese Sorten aus Kreuzungen zweier spezialisierter Elternlinien entstehen. Das ergibt in der zweiten Generation kein verlässliches Ergebnis.

Also: Beim nächsten Saatgut-Einkauf auf samenfeste Sorten achten. Die lassen sich über Jahre weitervermehren.

Was sich besonders gut eignet

Bohnen und Erbsen sind ideal für Einsteiger. Die Hülsen einfach am Strauch vollständig ausreifen und trocknen lassen, öffnen, Samen herausnehmen, trocken lagern. Einfacher geht es kaum.

Tomaten aus samenfesten Sorten (z. B. alte Sorten wie Ochsenherz oder Yellow Pear) funktionieren ebenfalls gut. Das Fruchtfleisch entfernen, Samen mit etwas Wasser ein bis zwei Tage fermentieren lassen (das entfernt die Schleimhülle), dann trocknen.

Paprika und Chili: Vollreife Früchte stehen lassen, bis sie fast runzelig sind. Samen herausnehmen, auf Küchenpapier trocknen, in Tüte lagern.

Kräuter wie Dill, Koriander, Borretsch oder Kamille säen sich oft von selbst aus – wer die Samenstände stehen lässt, freut sich im nächsten Jahr über Jungpflanzen an unerwarteten Stellen.

Was du brauchst: fast nichts

Ein warmer, trockener Ort zum Nachtrocknen. Beschriftete Papiertüten oder -umschläge. Einen Kühlschrank oder kühlen Keller für die Lagerung.

Keine Plastiktüten – darin schimmelt das Saatgut. Keine feuchte Umgebung. Und immer beschriften: Sortenname und Erntejahr. Nach zwei bis drei Jahren lässt die Keimfähigkeit bei vielen Sorten nach – spätestens dann neu gewinnen oder kaufen.

Tauschbörsen im Verein

Saatgut selbst zu gewinnen macht noch mehr Spaß, wenn man es teilt. Eine kleine Saatgut-Tauschbörse im Verein – jeder bringt Tüten mit, was er hat, und nimmt mit, was er braucht – ist eine schöne Tradition und kostet wenig Aufwand. Wer hat Interesse?


Mit eigenem Saatgut bist du unabhängiger, sparst Geld – und pflegst nebenbei alte Sorten, die es sonst vielleicht bald nicht mehr gibt.

Leini hat diesen Beitrag für euch geschrieben – aufgewachsen im Vereinsgarten, immer dabei, nie weit vom Kompost.