Richtig gießen: Wann, wie viel und womit

Gießen. Kann ja nicht so schwer sein, oder? Eimer nehmen, Wasser drauf, fertig. Tatsächlich sind viele Probleme im Kleingarten – welkende Pflanzen, flache Wurzeln, Pilzkrankheiten – auf falsches Gießen zurückzuführen. Hier kommt, was du wissen solltest.

Morgens ist besser

Wenn du die Wahl hast: Gieße morgens. Das Wasser hat Zeit, in den Boden einzuziehen, bevor die Mittagshitze es wieder verdunstet. Die Blätter trocknen über den Tag ab – und feuchte Blätter in kühlen Nächten sind eine Einladung für Pilzkrankheiten.

Abends zu gießen ist nicht falsch, aber suboptimal. Besonders bei Tomaten, Kürbis und Zucchini, die anfällig für Mehltau und andere Pilze sind, lohnt der morgendliche Rhythmus.

Mittags gießen – wenn die Sonne brennt – ist die schlechteste Variante. Das Wasser verdunstet, bevor es wirklich versickert, und auf feuchten Blättern entstehen im grellen Licht gelegentlich Verbrennungen.

Selten, aber tief

Das ist der wichtigste Tipp: Lieber alle paar Tage gründlich gießen als täglich ein bisschen. Wer jeden Tag nur die Oberfläche befeuchtet, erzieht seine Pflanzen zu Faulpelzen mit flachem Wurzelsystem. Flache Wurzeln leiden sofort, wenn es mal ein paar Tage trocken bleibt.

Wer selten und tief gießt, zwingt die Wurzeln, dem Wasser in tiefere Schichten zu folgen. Tief verwurzelte Pflanzen sind hitze- und trockenheitstoleranter – das zahlt sich in heißen Sommern aus.

Wie tief muss das Wasser? Als Faustregel: 20–30 cm sollten die oberen Bodenschichten durchfeuchtet sein. Steck nach dem Gießen einen Finger oder Stab in die Erde – wie weit ist sie feucht?

Der Fingertest

Bevor du gießt, kurz mit dem Finger in die Erde: Ist die obere Schicht noch feucht, braucht es heute kein Wasser. Ist sie trocken, aber tiefer noch feucht – vielleicht übermorgen. Ist sie bis in 5 cm trocken – heute gießen.

Dieser einfache Test ist zuverlässiger als jeder Zeitplan.

Leitungswasser oder Regenwasser?

Regenwasser ist klar besser für die Pflanzen: Es ist weicher (weniger Kalk), hat Umgebungstemperatur und enthält Spurenstoffe aus der Luft. Besonders Tomaten und Beeren mögen es.

Leitungswasser ist natürlich völlig in Ordnung – aber kalt aus dem Hahn direkt auf die Wurzeln zu gießen kann vor allem Jungpflanzen stressen. Wer eine Gießkanne am Vorabend füllt, hat am Morgen temperiertes Wasser.

Eine Regentonne oder -tonne lohnt sich im Kleingarten. Auch wenn sie in trockenen Sommern schnell leer ist: Jeder Liter gesammeltes Regenwasser ist ein Liter gespartes Leitungswasser.

Was besonders durstig ist

Nicht alle Pflanzen brauchen gleich viel:

  • Viel Wasser: Tomaten, Gurken, Kürbis, Zucchini, Kohl, Sellerie
  • Mäßig: Möhren, Zwiebeln, Kartoffeln, Kräuter
  • Wenig: Bohnen (wenn etabliert), Erbsen, viele Wildkräuter

Gerade Tomaten reagieren empfindlich auf unregelmäßiges Gießen: Mal zu viel, mal zu wenig führt zu Blütenendfäule und aufgeplatzte Früchte. Lieber gleichmäßig.


Einmal durchatmen und gießen. Aber richtig.

Leini hat diesen Beitrag für euch geschrieben – aufgewachsen im Vereinsgarten, immer dabei, nie weit vom Kompost.